©2018 by Rebecca Gerike.

Du bist der Stein. Das Leben der Hammer. Deine Mitmenschen der Meißel. Die Liebe der Steinmetz.


Der Steinmetz behaut einen rohen Stein.

Er nimmt seinen Hammer und Meißel und haut dem Stein Ecken und Kanten ab.

Er meißelt und schleift.

Er entfernt, was die Schönheit bedeckt.

Er befreit die Schönheit von seiner Hülle.

Er erkennt die Einzigartigkeit und lässt die Stellen unberührt, die essenziell, schön und wichtig sind.


Er bringt etwas wunderschönes hervor. Dieses Wunderschöne war schon immer in diesem Stein vorhanden. Das Potenzial war schon immer da. Die besondere Form hat von Anbeginn der Zeit in diesem Stein geschlummert.


"Ich werde nicht zerbrochen.

Ich werde nicht gebrochen.

Ich werde nicht kaputt gemacht.

Was nicht essenziell ist, darf gehen.

Was nicht zu mir gehört, wird abgehauen.

Ich werde geformt.

Alles ist gut."


Was einmal abgehauen ist, bleibt weg, das stimmt.

Aber nützt es meinem Sein, an dem abgeschlagenen Stückchen festzuhalten?

Nützt es, sich zu wehren und zu beschweren?


Vielleicht dürfen wir dem Steinmetz einfach vertrauen.

Vielleicht weiß er es besser als wir.

Vielleicht kennen wir seinen Plan noch nicht.

Vielleicht hat er eine einzigartige Vision von unserer Schönheit, die wir einfach noch nicht sehen können.


Alles was uns übrig bleibt, ist zu beobachten, was er mit uns tut. Den Schmerz zu fühlen, den er verursacht, wenn er uns ein geliebtes Stück unseres Selbst entfernt. Um dann freiwillig, dankbar und voller Staunen anzunehmen, was sich darunter verbirgt.